Lass die Leute lesen! – Ein Plädoyer für die Unantastbarkeit des Buchgeschmacks

Liebe Bücherfreunde,

wir müssen reden. Und zwar über die auseinanderklaffenden Welten der sogenannten Trivial- und Hochliteratur. Warum? Weil sich täglich selbsternannte Literaturexperten anmaßen, das Leseverhalten anderer zu beurteilen. Schluss damit!

Bestimmt seid ihr in den sozialen Medien, auf Buchblogs oder sogar im realen Leben schon über den ein oder anderen Satz dieser Art gestoßen:

Wer liest denn bitte Shades of Grey und findet das auch noch gut?

Young-Adult-Leser haben echt keinen Anspruch, immer derselbe Scheiß.

Diese Schundliteratur sollte gar nicht erst veröffentlicht werden.

Lies mal was literarisch Wertvolles!

Bei derlei Äußerungen kochen in mir sogleich Aggressionen hoch. Am liebsten würde ich in solchen Fällen die literarische Moralkeule schwingen, doch leider verstehen manche Menschen nicht, dass das Leseverhalten anderer sie nichts angeht und dass es nicht an ihnen ist, sich ein Urteil darüber zu erlauben, wie jemand seinen Lesealltag gestaltet.

Man liest viel Young Adult? Dann könnte man ja genauso gut gar nichts lesen, denn inwiefern erweitert denn bitte ein Buch dieses Genres den literarischen Horizont? Goethe muss es sein, Schiller, Fontane, wenigstens ein bisschen Umberto Eco, etwas mit Anspruch eben, mit historischem und literarischem Wert, sonst darf man sich wohl kaum als echten Bücherwurm bezeichnen.

Dieses Abwerten gewisser Lesergruppen bereitet mir Übelkeit. Statt froh zu sein, dass insbesondere die Jugend eben doch noch liest, dass sie dabei Freude empfinden, sich in den Buchstaben verliert, wird kritisiert, dass das Gelesene nichts mit Hochliteratur zu tun hat. Natürlich ist Twilight keine Hochliteratur, und den Anspruch erhebt es auch gar nicht. Wer lieber mittelalterliche Epen oder Kafka lesen will, soll das tun und sich daran erfreuen. Doch sich dies zunutze zu machen, um auf andere Leser herabzuschauen und ihre Lesegewohnheiten zu kritisieren, weist auf eine sehr fragwürdige, narzisstische Persönlichkeit hin und bedarf durchaus psychologischer Aufmerksamkeit.

Manchmal beschleicht einen das Gefühl, dass manche Menschen nur deshalb klassische oder besonders anspruchsvolle Literatur lesen, um von sich behaupten zu können, sie seien besser als andere. Immer und immer wieder werden auch Buchblogger für ihre Lesegewohnheiten kritisiert. Da frage ich mich: Wieso investiert man seine wertvolle Zeit in derlei Negativität? In den zehn Minuten könnte man doch auch einen Akt Shakespeare lesen.

Damals im Französischunterricht, als Candide auf dem Lehrplan stand, hat sich mir ein  bestimmter Satz eingeprägt: Il faut cultiver notre jardin. Wir müssen unseren Garten pflegen. Und ob ich nun Jugendbuch-Blumen, einen Kafka-Busch oder einen Fantasy-Baum pflanzen will, ist ganz und gar mir allein überlassen, denn es ist mein verdammter Garten!

Was ich damit eigentlich sagen will? Lasst euch nicht von irgendwem erzählen, was ihr lesen solltet oder müsst. Lest einfach, denn jedes Buch, ob Groschenroman oder Klassiker, bringt uns ein Stück weiter in unserer Entwicklung und erfüllt uns hoffentlich mit einem positiven Gefühl. Und darum geht es doch, oder? Um die Freude am Lesen, um kuschelige Stunden des Wohlfühlens, um die Flucht aus dem Alltag. Wer das nicht versteht, macht definitiv irgendetwas falsch.

Und falls sich nun einer von euch ertappt fühlt, hier mein Schlusswort, extra für dich, lieber Pseudo-Literaturkritiker: Lass die Leute lesen, verflucht noch eins!

Erzählt mal: Wie denkt ihr über dieses Thema?

55 Comment

  1. Lili says: Antworten

    Gratuliere, damit hast du ein heikles Thema auf den Punkt gebracht! Auch mich beschäftigt das angebliche Problem der »anspruchslosen Literatur«. Ich mag es nicht, wenn mir jemand vorschreiben will, wie ich meine Freizeit gestalten muss. Danke für deine klaren Worte!
    Liebe Grüße, Lili

    1. Liebe Lili,

      danke dir! 🙂 Eben – jeder gestaltet seine Freizeit, wie er möchte.

      Liebe Grüße

      Saskia

  2. Ich lese eigentlich alles von Klassikern bis YA, mein Freund meckert auch immer, dass ich so einen Schund lese. Aber nach dem Germanisitk Studium kann ich einfach keine Klassiker mehr sehen, ich musste so viel mist gezwungenerweise lesen, dass ich momentan einfach wieder auf der YA Schiene bin. Für mich ist das eine kleine realitäts Flucht. Ich finde man kann das auch gut Vergleichen: Klassiker sind eher der Gourmet Gang während alles andere ein leckerer und schneller Zwischengang ist. Für Klassiker muss ich mir Zeit nehmen und kann sie nicht einfach schnell runter lesen.

    LG Nina
    http://www.madamecherie.de

    1. Huhu Nina,

      ich kenne das so gut – wenn man im Studium vieles liest, worauf man nicht wirklich Lust hat, muss es nebenbei einfach mal etwas Luftig-Leichtes sein.

      Schöner Vergleich mit dem Essen. 😀

      Liebe Grüße

      Saskia

  3. Danke. Mehr habe ich dazu eigentlich gar nicht zu sagen. Ganz meine Meinung. Jedes Buch ist gut, selbst wenn es „nur“ ein Comic-Buch ist (ich liebe Comics!).
    Solange es gefällt, ist es gut. Punkt. Lesen ist ein Hobby, soll Spaß machen. Das verstehen viele leider nicht. Für sie ist lesen mit Schule und Lernen verbunden. Muss anstrengend sein und einem muss der Kopf rauchen… das ist aber nicht so. Aber auch das kann Spaß machen, wenn man denn so anstrengende Lektüre lesen will.
    Jeder so, wie er will. Hauptsache, es wird überhaupt gelesen. Meine Meinung.
    LG Lexa

    1. Liebe Lexa,

      eben, und es ist doch schön, wenn jemand das Lesen zu seinen Hobbys zählt. 🙂

      Liebe Grüße

      Saskia

  4. Liebste Saskia!

    Danke, dass du dieses Thema mal zur Sprache bringst. Mir wirbeln schon lange ganz ähnliche Gedanken durch den Kopf. Besonders was YA-Literatur betrifft, da ich selbst auch schon mit solchen Vorwürfen und Ermahnungen konfrontiert wurde.

    Mich packt dann immer der rebellische Eifer und ich erkläre den Menschen dann GANZ GENAU welche Werte auch in Büchern für junge Menschen vermittelt werden.

    Es ist echt bedauerlich, dass vermeintlich intelligente Menschen manchen Genres die Daseinsberechtigung absprechen wollen.

    Liebst,
    Bianca

    1. Liebste Bibi,

      ach, es müssen ja nicht zwangsläufig Werte vermittelt werden – nicht selten trifft man im Genre YA beispielsweise auf fragwürdige Frauenbilder. Aber jeder darf denken und lesen, was er möchte, daher sehe ich keinen Sinn darin, den Geschmack anderer zu verurteilen. 🙂

      Liebe Grüße

      Saskia

  5. Huhu 🙂
    ich finde du hast vollkommen recht. Jeder sollte genau das lesen, was ihm gefällt. Und wenn jemand am liebsten Shades of Grey und all die anderen Romane dieser Art liest, bitte, darf er tun. Ich möchte ja auch nicht vorgeschrieben bekommen, was ich lesen soll und was nicht.
    Aber weil du Shades of Grey ansprichst, dessen Hype ich zwar verfolge, aber nicht verstehe… die Fans sind leider sehr anstrengend. Ich arbeite nebenbei an der Kinokasse und war am Vorverkaufsstart für den neuen Film im Februar im Dienst.
    Was läuft denn nur verkehrt. Diese überwiegend weiblichen Fans rasteten fast aus, als ich ihre Frage, wie ich das Buch fände, nict beantworten konnte, weil ich es nicht gelesen habe.
    Ich möchte es nicht. Ich habe das Buch angefangen und es für sehr grottig empfunden. Aber wem es gefällt und dort sein Herz öffnen kann – gern. Lesen ist doch etwas schönes und sollte Spaß machen.

    Liebe Grüße
    Jule

    PS.: Ich liebe deinen Blogroll 😀

    1. Hey Jule,

      na ja, anstrengende Fans gibt es auch bei anderen Genres – da muss man dann einfach drüberstehen. 😀 Mich hätten die Mädels an der Kinokasse wahrscheinlich gehasst, weil ich SoG furchtbar finde, haha. Aber über Geschmack lässt sich eben nicht streiten.

      Liebe Grüße

      Saskia

  6. Ach Saskia <3
    Richtig gut geschrieben!!
    Ich kann es leider nicht auf die "normale" Art und Weise reposten, aber ich überlege mir mal was. Wichtiges Thema, und so.

    Lieben Gruß,
    Nicci

    1. Liebe Nicci,

      danke! ♥ Finde deinen „Repost“-Beitrag toll!

      Liebe Grüße

      Saskia

      1. Juhuu, das freut mich, danke! 🙂 <3
        Schönes Wochenende dir!

  7. Hallo!

    Da hat sich aber auch rein gar nix geändert. Mhh?! Lesen soll Spaß machen. Wer das mit Kafka und Co. kann – wunderbar.

    Wer All Age liest oder Shades of Grey oder Shopaholic – super

    Lesen um zu lesen und nicht um sich herauszuputzen. Darum sollte es gehen. Und man sieht ja auch wie die gängige Literatur rund um Harry Potter und Co. blüht. Nichts ist falsch daran.

    Mit 18 hatte ich mich für die Bibliothek (Traumberuf bis heute) beworben und was kam als Fangfrage? Irgendwas hochtrabendes aus der ,Hochliteratur,!

    Dazu zu sagen ist: Ich wollte in die Kinder-Jugendbücherei, die lesen keinen Schiller und keinen Goethe, keinen Kafka und sonst ähnliches.

    Dafür war ich belesen in der ganzen gängigen Literatur für Kinder und Jugend und schon sehr früh mit der ganzen Trivialliteratur aus Mutters Bücherschrank.

    Wegen dieser Art hochtrabender Fangfrage: Abgewiesen (Mitte 90er Jahre) Ich weine heute noch!

    Anbei:

    ,Das Lied von der Glocke, kann ich aufsagen.
    Ebenso ,Romeo und Julia,
    Das meistgelesene Buch der Amerikaner der 50er Jahre (Wer die Nachtigall stört von Harper Lee) welches heute noch dort Schulliteratur ist, steht in meinem Schrank mehrfach gelesen.

    Dennoch am liebsten lese ich
    Rowling
    Thiemeyer
    Clare
    S. Meyer
    King
    und so viele mehr.
    Fantasie , Young Adult und oh ja Kinderbücher.

    Trotzdem kenn ich
    Hemingway und Fitzgerald – ja war ja auch bei Muttern im Schrank und auch okay.

    Also bitte schön wer Kafka liest und sich wohl fühlt. Wer Dante mag und es versteht, wer die Bibel rückwärts kann, aber den Bloggern sei erlaubt und anerkannt dafür zu bloggen wofür sie einstehen.
    Für neue junge Autoren
    Für Fantasie
    Für Liebe
    Für Hexen und Zauberei
    Für kleine Hobbits und den ganzen anderen süßen liebenswerten Figuren.
    Auch mal für die ,neue Frau von heute, ein Shopaholic oder gruseln in alten Villen, oder gruselige Thriller lesen wo man lernt (Schau hinter die nette Fassade….)

    Ja lesen als Hobby – jeder wie er mag. Mit so viel SuBs und Rubs und Fantasie.
    Gruß Foxi

    1. Liebe Foxi,

      danke für deinen Kommentar! 🙂

      Huch, was du schilderst, klingt wirklich sehr ärgerlich. Schade, dass es so gelaufen ist, so was Unnötiges!

      Liebe Grüße

      Saskia

    2. feiner Beitrag! *Schmunzel

  8. So, ich habe jetzt mal was gebastelt.
    Ich hoffe, es ist in Ordnung so:

    https://trallafittibooks.com/2017/01/11/lass-die-leute-lesen-ein-plaedoyer-von-who-is-kafka/

  9. Hallo Saskia,

    ich bin gerade durch Nicci auf deinen tollen Artikel gestoßen und kann dir nur zustimmen.

    Mir selber ist es zwar noch nicht passiert, dass jemand über mein Leseverhalten urteilt (dafür lesen nämlich zu wenige überhaupt ^^), aber dass es solche gibt, ist klar. In jedem Bereich gibt es Leute, die immer noch über andere urteilen müssen, dabei sollte es doch demjenigen egal sein. Schön, wenn sich jemand bei Goethe, Schiller und Co. entspannen kann, mir sind die Texte einfach zu hochtrabend und langweilig, gäbe es nur solche Texte, würde ich wahrscheinlich eher gar nicht lesen. Sollte ich über jemanden der das mag denn behaupten, er sei staubtrocken und zum Gähnen? Ich höre schon die Protestrufe dieser Leser der hochtrabenden Literatur. Wie auch immer, ich stimme dir zu: lesen und lesen lassen.

    Liebe Grüße
    Silke

    1. Hey Silke,

      schön, dass du hergefunden hast, herzlich willkommen! 🙂

      „Lesen und lesen lassen“ ist ein tolles Motto!

      Liebe Grüße

      Saskia

  10. Danke! Besser hätte ich es nicht sagen können. Wem bringt diese Herummäkelei etwas? Soll jeder lesen, was er oder sie gerne möchte und wenn man etwas kritisch anspricht, dann doch bitte auf der Ebene von „Da werden ungesunde Beziehungen und Stalking romantisiert, das find ich bedenklich“ und nicht „Young Adult? Alles nur Dreck!“.
    Und zudem ist die berühmte Kanonliteratur Kanon, weil sie ein gutes Beispiel für z.B Sturm und Drang sind, nicht weil sie so „literarisch“ sind, wie manche das gerne vorstellen 😉 Die Zeitgenossen von Goethe und Co hätten die diversen Ergüsse nicht als wertvoll bezeichnet.

    1. Hey Katrin,

      genau meine Meinung – man kann auch über Bücher diskutieren, ohne den anderen abzuwerten. Und du bringst es auf den Punkt: Was heute als Hochliteratur gilt, war zu Lebzeiten Schillers gerade mal Unterhaltungslektüre. So verändert sich eben der Blick auf die Literatur. Vielleicht hält man Harry Potter in dreihundert Jahren für die neue Bibel, wer weiß. 😀

      Liebe Grüße

      Saskia

  11. Hallo Saskia,

    toller Artikel. Amen.

    Ich sehe es wie du, jeder soll doch lesen was er will. Hauptsache es wird gelesen.

    Ich finde es immer schade, wenn Menschen über den Lesegeschmack anderer urteilen, denn häufig habe ich den Eindruck dass da nicht nur der Lesegeschmack, sondern irgendwo auch die Person an sich abgewertet wird.

    LG,
    Julia

    1. Liebe Julia,

      danke dir! 🙂

      Ja, das stimmt, manche schließt vom Lesegschmack auf die gesamte Person, was natürlich völliger Unsinn ist.

      Liebe Grüße

      Saskia

  12. Danke!

    Danke, dass du dieses Thema so passend auf den Punkt gebracht hast!!! Wie oft durfte ich mir fas zu Fantasie anhören… Geschmack ist Geschmack! Und daran sollte auch niemand kritisieren.

    Liebe Grüße, Anna

    1. Liebe Anna,

      danke, und danke auch für deinen Kommentar! 🙂

      Liebe Grüße

      Saskia

  13. […] famose Saskia hat heute auf ihrem gleichermaßen famosen Blog whoiskafka.de einen sehr schönen Beitrag über Lesevorurteile und Leseverhalten gepostet – da habe ich mich gleich angesprochen […]

  14. Huhu!

    Du hast einfach so recht und sprichst so vielen aus der Seele! Keiner sollte sich dafür rechtfertigen, dass er in den Büchern den Ausgleich für den Alltag findet. Man kann mit Büchern Gehirn &/oder Herz stimulieren. Wenn man keine anspruchsvolle Bücher liest, heißt das nicht, dass man die anderen nicht verstehen würde. Oder dass sie einen die Intelligenz entziehen. Ich liebe Bücher. Klassiker, Fantasy, Thriller, Romane, Young Adult,…für jeden Situation ist etwas dabei. Mit Büchern kann ich abschalten, oder meinen Horizont erweitern. Schön, wenn jemand sich in Büchern verlieren kann. Ob anspruchsvoll, oder nicht! <3

    Danke für deine wertvollen Worte!

    LG, Sara

    1. Liebe Sara,

      danke, es freut mich, dass ich dir aus der Seele spreche! 🙂

      Liebe Grüße

      Saskia

  15. Da kann ich dir auch nur zustimmen. Ich lese meistens nicht so gern YA, ist einfach nicht meins, aber momentan hab ich wieder mehr Lust darauf. Bei mir hängt das auch einfach davon ab, wie viel Stress ich auf Arbeit habe, wie viel Zeit zum Lesen und alles. Gerade wenn man beruflich viel wissenschaftlich liest, will man dann zuhause auch mal eine Auszeit. Und YA und 50 shade of grey lesen ist doch immer noch besser als RTL schauen. 😀 Ums mal ganz provokativ zu sagen… Jeder sollte lesen, was er mag. Dafür gibt es ja so viele unterschiedliche tolle Bücher.

    1. Liebe Kitty,

      ja, das kenne ich – abhängig von der aktuellen Lebenssituation greift man natürlich zu unterschiedlichen Büchern. 🙂 Und ja, ich würde dir zustimmen: Alles ist besser als RTL. 😀

      Liebe Grüße

      Saskia

  16. Hallöchen,
    hier jubeln viele und eigentlich stimme ich dir zu: Amen, Schwester! Jeder soll doch lesen, was er mag.
    Aber… Ein bisschen schade finde ich, dass auch „Anstöße“ wie das von dir aufgeführte „Lies mal was literarisch Wertvolles!“ hier gleich mit aufgereiht werden und dann (ich hoffe bewusst überspitzt) Leuten zugesprochen werden die „sehr fragwürdige, narzisstische Persönlichkeit hin und bedarf durchaus psychologischer Aufmerksamkeit.“
    Für meinen Geschmack ist das etwas unpassend. Ok, einerseits ist Übertreibung natürlich stilistisches Mittel, aber Hand aufs Herz: ist es wirklich so schlimm einen „literarisch wertvollen“ (wer definiert das?) Titel zu empfehlen, wenn Leser vielleicht wirklich sonst nur die vermeintlich seichten Genres wagen? Ich mag Denkanstöße und Richtungswechsel in jeder Lebenslage, deswegen werde ich nicht müde auch andere Leser dazu zu ermutigen. Mal mit, mal ohne Erfolg und damit kann ich leben, denn: es soll doch jeder Lesen was er mag. Das möchte man nicht unbedingt ändern, wenn man etwas anderes empfiehlt oder vorschlägt.

    Viele Grüße aus dem Rattenbau,
    Alexandra

    1. Liebe Alexandra,

      danke für deinen kritischen Kommentar! 🙂

      Du hast mich da allerdings etwas falsch verstanden und nennst auch eigentlich schon den Grund, warum Aussagen wie „Lies mal was literarisch Wertvolles!“ kompletter Blödsinn sind: Wer bestimmt, was literarisch wertvoll ist? Aber abgesehen davon: Stell dir vor, jemand schreibt dies unter eine deiner Rezensionen. Nur diesen einen Satz. Klingt ganz schön abgehoben, oder? Ubd das ist der Punkt, denn es geht nicht darum, anderen etwas zu empfehlen, sondern darum, dass es Menschen gibt, die andere wegen ihres Buchgeschmacks abwerten. Ich empfehle auch gerne, nicht selten sogar Kafka, weil ich Kafka liebe. Dadurch werte ich niemanden ab, denn eine Empfehlung ist etwas völlig anderes als knappe, unbegründete Kommentare, die nur darauf abzielen, anderen ein schlechtes Gefühl zu geben. Ich bin FÜR Empfehlungen, FÜR neue Leseerfahrungen! Genau deswegen spreche ich auf meinem Blog Empfehlungen aus – weil ich anderen Lesern gerne die Bücher, die ich liebe, ans Herz lege, ob Klassiker oder Jugendbuch.

      Und natürlich war es eine bewusste Überspitzung! Kennt man doch von mir, oder? 😀

      Hör auf jeden Fall niemals auf, Empfehlungen auszusprechen und andere zu ermuntern, sich in neue Genres zu wagen!

      Liebe Grüße

      Saskia

      1. *Daumen hoch

  17. AMEN! Danke, auch wenn es etwas kurz war, aber genau das predige ich immer wieder.

    Ich kann sagen, wie schlecht ich ein Buch fand, ich kann Leute, die dieses Buch gut fanden vielleicht auch nicht mögen, aber ALLE zu verteufeln und Leute auf die Literatur, die sie konsumieren zu reduzieren…absoluter Bullshit.

    Absolut.

    Vielen Dank und Buenos Dias,
    Anna

    1. Liebe Anna,

      SO IST ES! 🙂

      Liebe Grüße

      Saskia

  18. Liebe Saskia,
    Ich glaube, die gegenseitige Abwertung zwischen „Trivial- und Hochliteratur“ gibt es schon sehr lange, genau genommen seit Bücher und Hefte in hohen Stückzahlen einer breiten Masse zugänglich wurden. In der Tat beschäftigt mich das in Bezug auf Kinderbücher immer wieder. Ich habe als Kind in großen Mengen sogenannte Schundliteratur in Form von Hanni und Nanni, Fünf Freunde usw. gelesen und darüber den Weg zu anspruchsvolleren Titeln gefunden. Für mich persönlich bin ich zu dem Schluss gekommen, dass mir klar sein sollte, welches Ziel ich (bei Kindern) mit einem Buch verfolge. Bücher können unterhalten, erheitern, fesseln, zum Lesen anhalten, überhaupt erst das Lesenlernen ermöglichen usw. Für den Literaturunterricht ist nicht jedes Buch geeignet und hier sollte auch eine gewisse Vielfalt angeboten werden. Wäre doch schade, wenn jemand nur Fantasy kennt, oder? Meine Gedanken sind aus einem ganz spezifischen Blickwinkel und im prinzipiell stimme ich dir zu, diese Front ist völlig unnötig und es muss hier keiner für die andere „Bücherseite“ missioniert werden. Ausgesprochen amüsant finde ich die Facebook-Posts „Welches Buch muss ich unbedingt gelesen haben?“ Ja, welches? Alle? Keins? Irgendeins? 🙂
    Liebe Grüße
    Anna

    1. Liebe Anna,

      gerade bei Kinderliteratur kann man sowieso keine Trennung zwischen Trivial- und Hochliteratur vornehmen. Gerade Kinder sollen ja erst einmal zum Lesen ermuntert werden.

      Natürlich, Schulunterricht ist noch einmal etwas ganz anderes! Da muss natürlich eine gewisse Vielfalt her, es muss auch mal ein Fontane oder Goethe gelesen werden, das ist für die Allgemeinbildung durchaus wichtig, außerdem wagen sich die wenigsten Schüler in ihrer Freizeit an Klassiker und es wäre doch sehr schade, wenn dadurch eine Leidenschaft verloren ginge. Aber es gibt auch wunderbare Romane für junge Menschen, die ich gerne im Schulunterricht gelesen hätte – heutzutage zum Beispiel „Tschick“, was es zu meiner Schulzeit leider noch nicht gab. Die Vielfalt ist so gigantisch!

      Haha, oh ja, diese Frage … Da weiß man wirklich nciht, was man antworten soll. 😀

      Liebe Grüße

      Saskia

  19. Danke <3

  20. Huhu Saskia!
    Das hast du schön gesagt – das nervt mich auch immer wieder.
    Ist doch völlig egal, was gelesen wird, hauptsache es wird gelesen.
    Klar, hat man vielleicht hier und da seine Bedenken, aber letztendlich ist es nicht mein Garten, um es mit deinen Worten auszudrücken.
    Es ist ja auch nicht so, als würde man die ganze Hochliteratur nicht ausprobieren, aber wenn sie eben nicht passt, wie soll man sich darin vertiefen können?

    Liebe Grüße
    und ‚Lass dich nicht ärgern‘,
    Linda

    1. Hey Linda,

      danke dir! 🙂

      Genau! Ich bin definitiv dafür, verschiedene Genres und Autoren auszuprobieren – wer weiß, was einem sonst entgeht? Aber jedem das Seine, und wer keine Klassiker mag, der mag eben keine Klassiker, und daran gibt es nichts zu mäkeln.

      Liebe Grüße

      Saskia

  21. Bin ich gerade darüber gestolpert und möchte ich unbedingt noch anfügen:
    „Lest, soviel ihr könnt! Lest Straßenschilder und Speisekarten, lest die Anschläge im Bürgermeisteramt, lest von mir aus Schundliteratur – aber lest!
    Lest! Sonst seid ihr verloren!“
    – gefunden in Rumo & die Wunder im Dunkeln von Walter Moers

    1. Ohh, schönes Zitat, Linda! Ich liebe Walter Moers – muss wohl mal Rumo lesen!

  22. Hallo!
    Ein Beitrag der mit aus der Seele spricht. Ich bin dankbar für Deine Worte. Im Prinzip sehe ich es wie Du, aber dieser Beitrag hat mich mal wieder geerdet. Ich reflektiere mich jetzt wieder bewusster. Denn Vorurteile wachsen oft unterbewusst. Also vielen lieben Dank, denn Du hast so recht! In diesem Sinne:
    Lesen und lesen lassen 🙂

    Viele Grüße
    Teja

    1. Hey Teja,

      danke für deine Worte, es freut mich wirklich sehr, dass ich dich zum Nachdenken anregen konnte! 🙂 Das stimmt – Vorurteile haben wir alle, man muss sich immer wieder daran erinnern, sie abzulegen. Und das ist eine tolle Eigenschaft, wenn man so selbstreflektiert ist. 🙂

      Liebe Grüße

      Saskia

  23. Liebe Saskia,

    ich bin bei deinem Beitrag ein bisschen hin und her gerissen. Ich gebe dir durchaus recht, es steht jedem selbst zu, zu entscheiden, was Literarisches gerade zu einem passt und was nicht. Oft vergisst man ja auch die Situation, in der jemand ist. Da ist gerade ein vermeintlich flaches Buch ein guter Trost, oder eine angenehme Zerstreuung. Oder eine Herausforderung, wenn der Leser erst seinen Lesestil finden muss und möchte. Sich bei der Wahl seiner Bücher Grenzen zu setzen ist aus meiner Sicht ein großer Fehler. Alles sollte hier möglich sein.

    Gleichzeitig finde ich es ein bisschen Schade, dass man so wenig Klassiker bei Blogger findet. Wenn es nach mir geht, könnte es nicht genug schmucke Klassiker geben und am Ende findet man sie, bis auf einige wenige Blogs, nur recht selten.

    Bist du wirklich schon auf Kritik auf deine oder eines anderen seine Bücherauswahl gestoßen? Mir ist das bisher nirgends begegnet. Persönlich wäre es mir das nicht wert, da bei jemanden Kritik zu üben, denn im Internet gibt es die schöne Möglichkeit jederzeit abzuspringen. Aber es ist wohl die deutsche Mentalität hier andere zu bevormunden. „Am deutschen Wesen wird die Welt genesen“ gilt auf jeden Fall in vielen anderen Bereichen und dass die Klugscheißerei bei Bücher nicht halt macht, ist ja klar.

    Ärger dich nicht, am Ende regen sich die Leute über alles Mögliche auf. Also auch darüber, was du liest 😉

    Liebe Grüße
    Tobi

  24. Hallo,

    ich stimme dir absolut zu. Es ist einfach anmaßend, wenn jemand von dem persönlichen Lesegeschmack irgendetwas auf die Person ableitet. Wobei ich an dieser Stelle auch gestehen muss, dass ich schon mal schlucken musste, als ich jemandem begeistert von „Die Liebe in den Zeiten der Cholera“ erzählt habe und dann als Antwort das neue Buch von Norah Roberts empfohlen bekommen habe- „weil das ja auch so eine schöne Liebesgeschichte ist“. Aber trotzdem habe ich mich höflich bedankt und diese Person nicht für dümmer o.Ä. gehalten habe.
    Dennoch finde ich es immer großartig, mich mit jemandem zu unterhalten, der auch ein passionierter Leser ist und strenggenommen ist es mir wurscht, ob er/sie Comics, Fantasy, NA oder Goethe liest. Insbesondere bei Jugendlichen merke ich, dass sie auf die Frage, ob sie gerne lesen ziemlich verschämt „Ja, sehr. Aber nur ‚Warrior Cats’/ ‚Micky Maus’/… . Meine Eltern sagen immer, das ist alles Unsinn.“ antworten. Ich bin immer froh, von jemandem zu hören, das er/sie gerne liest und würde niemals, wirklich niemals, ihren Geschmack bei der Literaturwahl beurteilen.
    Viele Grüße
    Annika

  25. Liebe Saskia,

    auch ich kann dir nur zustimmen und finde es toll, dass du das Thema so offen auf deinem Blog ansprichst. In einer Welt, die so viel von Toleranz spricht, mangelt es uns gerade bei den einfachsten Dingen daran. Ich bin der gleichen Meinung wie du, dass man die Menschen lesen lassen sollte, was sie wollen – Hauptsache, sie lesen überhaupt!

    Liebe Grüße!

  26. Welterleser says: Antworten

    Hallo Saskia,
    auch hier gilt der einfache Grundsatz für mich: Leben und leben lassen! Literatur/Poesie hatte immer schon u.a. die Funktion, zu unterhalten. Wenn ein Leser nicht mehr erwartet, ist das völlig legitim.
    Interessant vielleicht auch dies: Die literarische Gattung Roman galt lange Zeit per se als profan. Will sagen, was heute klassischer Höhenkammliteratur zugeordnet wird, mußte sich zunächst selbst gegen den Vorwurf der Trivialität incl. moralischer Verwerflichkeit wehren und durchsetzen. Ich teile Deine Ansicht, dass diese Einstellung mit Arroganz einhergeht. Unterschiedliche Menschen haben unterschiedliche Bedürfnisse – das schöne an Literatur ist doch gerade, dass sie für jeden von uns etwas bereithält, worin man sich „lustwandelnd ergehen kann“ (Auch „Candide“!)
    In diesem Sinne weiterhin frohes Lesen!

  27. […] ist ganz und gar mir allein überlassen, denn es ist mein verdammter Garten!“ Was für ein schönes Plädoyer zum lesen und lesen […]

  28. Danke für diesen Beitrag! Das ging mir auch schon oft durch den Kopf. Und beim Lesen dachte ich die ganze Zeit nur: JA! Lasst die Leute lesen.
    Liebe Grüße
    Stephanie

  29. Mit wenigen Worten das Wesentliche gesagt!
    Es spricht überhaupt nichts dagegen, sich der Literatur mit wissenschaftlichem Anspruch zu nähern, zu versuchen, Dinge einzuordnen, zu kategorisieren und daraus Schlüsse zu ziehen. Das ist bei Literatur – aus offensichtlichen Gründen – aber immer eine erstens nachgelagerte Tätigkeit und zweitens sind die Ergebnisse in nicht unwesentlichem Maße abhängig vom jeweiligen Zeitgeist. Shakespeare war Straßentheater!
    Im Ist relevant sind, Literatur betreffend, nur zwei Personengruppen:
    1. Die Schriftsteller. Denn nur diese entscheiden, was geschrieben wird und somit zum Lesen zur Verfügung steht.
    2. Die Leser. Die Information der Leser über akademische Aspekte von Literatur ist legitim, es sollte aber klar zwischen Information und Meinung unterschieden werden. Sonst sprechen wir nämlich nicht mehr über Bildung, sondern über Einbildung. Und wer meint, dass sich das sogenannte Bildungsbürgertum schon immer nur mit sogenannter Hochliteratur beschäftigt hat, liegt ziemlich falsch.

    In diesem Sinne wünsche ich jedem, der liest, Spaß mit dem, was er liest.

  30. Claudia Cabinetto says: Antworten

    Danke, dass du dich damit auseinandergesetzt hast.
    An den Staub vergangener Jahrhunderte sollte man sich ehrlich annähern. Kein ‚Ich lese es, damit ich mitreden kann‘, kein ‚Wir wollen Hochliteratur schreiben, deswegen sollte man es auch lesen‘, mir wäre lieber, wenn es ein ‚Oh, wie interessant, was hat man denn damals so gedacht?‘ wäre.
    Liebe Buchblogger, lasst euch nicht beirren, lest.
    Lest was euch gefällt, teilt es mit, bitte!
    Was heute noch als Trivialliteratur gewertet wird, ist zu späterer Zeit vielleicht Hochliteratur. Ich persönlich stolpere gern über eure erfrischenden Seiten.

  31. Huhu,

    generell muss ich dir zustimmen und dir danken, dass du das mal aussprichst (oder schreibst), da mich das nicht nur bei Buchblogs, sondern vor allem bei Buchpreisen und Literatursendungen im TV immer geärgert hat, dass Leute wie ich, die ‚Trivialliteratur‘ lesen, in den Augen vieler Literaten offenbar entweder unwürdig oder nicht existent sind.
    Aber in einer Sache muss ich doch widersprechen. Während vieles nur eine Sache des Geschmacks ist und keiner ein Recht hat, sich da einzumischen, gibt es doch Bücher, die moralisch zu hinterfragen sind. Wenn es um 50 Shades geht, möchte ich eigentlich niemandem vor den Kopf stoßen, aber wenn Leute davon reden, dass sie sich selbst einen Mr. Grey wünschen, kann ich einfach nicht anders, als sie daran zu erinnern, dass das Ignorieren eines Safe-Words nun einmal Vergewaltigung ist. Und dass sein Verhalten Zeichen von Stalking, also einer tiefgehenden psychischen Störung zeigt. Ich habe kein Problem damit, wenn jemand das Buch interessant zu lesen findet. Wenn jemand Freude an BDSM findet, bitte. Hat auch nichts mit mir zu tun. Aber Vergewaltigung romantisch zu überhöhen und damit auszusagen, dass es ein Traum von Frauen sein sollte, von einem psychisch kranken Mann unterdrückt und missbraucht zu werden, da endet leider die Unantastbarkeit des Geschmacks für mich. Es gibt Dinge, bei denen man nicht schweigen kann, und ein so frauenfeindliches Bild einer Beziehung, das von manchen unreflektiert als wahre Liebe aufgefasst wird, ist solch ein Ding. Das ist für mich, als würde jemand To Kill a Mockingbird lesen und das Verhalten des Mobs als Beispiel wie man sich verhalten sollte zur Moral des Buches erheben.
    Geschmack endet da, wo Gleichstellung angegriffen wird, wo Gesetze, und sei es auch nur fiktiv, verletzt werden und das als empfehlenswert dargestellt wird.

    Ich hoffe, ich habe mir damit jetzt nicht zu viele Feinde gemacht.
    Liebe Grüße
    Taaya von Let ‚em eat books

    1. ja da stimme ich dir zu in Sachen Geschmack…
      ich kenne das von dir erwähnte Buch nicht inhaltlich… Allerdings stimme ich deiner Auslegung diesbezüglich absolut zu. Es sollte schon in einem Buch ersichtlich sein … Nun, wie weit sei literarisch darzustellen, was ethisch moralisch richtig oder falsch… Ja, da müsste man mal genauer drüber nachdenken… herzlichen Dank für diese Anregung…
      und es gäbe ja noch so einiges in Sachen Leseverhalten Leseförderung… Ja, lesen ist auf alle Fälle sehr wichtig, Kulturtechnik, ach je ich verliere mich hier im denken… Nun vielleicht werde ich meine Gedanken mal auf meinem eigenen Blog zu einem Beitrag zusammenfassen…
      Dagmar alias Traumspruch
      *Nach Diktat im philosophieren verloren gegangen*schmunzel

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